Verhaltensstörung oder Verhaltensproblem?

Aggression, plötzliche Unsauberkeit, starkes Bellen, Rückzug oder wiederholtes Lecken können für Mensch und Tier sehr belastend sein. Das sichtbare Verhalten allein zeigt jedoch noch nicht, ob ein Verhaltensproblem, eine körperlich bedingte Verhaltensveränderung oder eine echte Verhaltensstörung vorliegt.

Für die passende Behandlung ist diese Unterscheidung entscheidend. Als spezialisierte Tierärztin ordne ich das Verhalten verhaltensmedizinisch ein und berücksichtige dabei seine Entwicklung, den jeweiligen Zusammenhang und mögliche gesundheitliche Einflüsse.

Zeigt Ihr Tier belastende Verhaltensweisen und Sie suchen Klarheit? Schreiben Sie mir eine Nachricht für eine erste Einschätzung.

Was ist ein Verhaltensproblem?

Ein Verhaltensproblem ist ein Verhalten, das im Alltag unerwünscht, belastend oder gefährlich ist. Es muss nicht krankhaft sein.

Jagdverhalten beim Hund, Kratzen und Markieren bei der Katze oder die Verteidigung von Futter und Ruheplätzen gehören zum normalen Verhaltensrepertoire. Unter den jeweiligen Lebensbedingungen können sie dennoch erhebliche Schwierigkeiten verursachen.

Auch erlerntes Verhalten kann problematisch sein, ohne dass eine Verhaltensstörung vorliegt.

Was ist eine Verhaltensstörung?

Eine Verhaltensstörung ist eine verhaltensmedizinische Diagnose. Dabei sind Verhalten, emotionale Regulation oder Anpassungsfähigkeit des Tieres krankhaft verändert. 

Die Diagnose ergibt sich also nie aus einem einzelnen Symptom. Ich beurteile immer das gesamte Verhaltensbild, seine Entwicklung, mögliche Auslöser, körperliche Erkrankungen, Haltung, Lernerfahrungen, soziale Einflüsse und vieles mehr.

Dasselbe Symptom kann verschiedene Ursachen haben

Aggression ist keine Diagnose, sondern zunächst ein Verhalten. Sie kann unerwünscht sein und dennoch zum Normalverhalten gehören. In anderen Fällen ist sie krankhaft verändert oder deutlich übersteigert. Mögliche Ursachen sind unter anderem Angst, Schmerzen, die Verteidigung von Ressourcen oder Lernerfahrungen.

Unsauberkeit bei Katzen bedeutet zunächst, dass Urin oder Kot außerhalb der Katzentoilette abgesetzt werden. Dabei muss unterschieden werden, ob tatsächlich Unsauberkeit oder Markierverhalten vorliegt. Auch die Ursachen können sehr unterschiedlich sein. Möglich sind beispielsweise Erkrankungen der Harnwege oder Harnsteine, ungeeignete Toilettenbedingungen, Angst oder soziale Konflikte.

Wiederholtes Lecken, Fellbeißen oder Kreislaufen kann Teil einer repetitiven Verhaltensstörung sein. Vergleichbare Symptome können jedoch auch durch Frustration, fehlende Beschäftigung, Hauterkrankungen, Schmerzen oder neurologische Veränderungen ausgelöst oder verstärkt werden.

Welche Verhaltensstörungen gibt es?

Zu den verhaltensmedizinischen Diagnosen gehören unter anderem:

  • Hyperaktivitätsstörung
  • Deprivationssyndrom
  • Trennungsangst
  • einfache und multiple Phobien
  • generalisierte Angststörung
  • depressive und andere affektive Störungen
  • repetitive Verhaltensstörungen und Stereotypien
  • kognitive Dysfunktion
  • bestimmte Persönlichkeitsstörungen

Diese Diagnosen bezeichnen definierte Krankheitsbilder und nicht lediglich störendes Verhalten.

Warum ist die tierärztliche Einordnung wichtig?

Ein erlerntes Verhaltensproblem erfordert andere Maßnahmen als eine Angststörung, eine kognitive Dysfunktion oder eine schmerzbedingte Verhaltensveränderung.

Ich beurteile deshalb Verhalten, Gesundheit, Lebensbedingungen und bisherige Erfahrungen gemeinsam. Erst auf dieser Grundlage lässt sich entscheiden, ob Training, Veränderungen im Alltag, weitere medizinische Untersuchungen, verhaltenstherapeutische Methoden oder Medikamente sinnvoll sind.

Sie müssen selbst nicht beurteilen, ob Ihr Tier ein Verhaltensproblem oder eine Verhaltensstörung zeigt. Diese Unterscheidung ist Teil der verhaltensmedizinischen Untersuchung.

Weitere Informationen finden Sie unter Verhaltensmedizin bei Hund und Katze und Ablauf der Tierverhaltenstherapie.

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