Verhaltensmedizin bei Hund und Katze

Die Verhaltensmedizin bei Hund und Katze befasst sich mit Verhaltensproblemen und Verhaltensstörungen sowie ihren körperlichen, emotionalen und sozialen Ursachen. Sie verbindet tiermedizinische Diagnostik mit wissenschaftlich fundierten Methoden der Verhaltenstherapie.

Viele Tierhalter kennen dafür eher den Begriff Tierverhaltenstherapie. Gemeint ist jedoch mehr als Erziehung oder Training: Zunächst wird untersucht, warum ein Tier ein bestimmtes Verhalten zeigt, welche Emotionen und Lernerfahrungen beteiligt sind und wodurch das Verhalten ausgelöst oder aufrechterhalten wird.

Auch Schmerzen, körperliche Erkrankungen oder neurologische Veränderungen können Verhalten beeinflussen. Deshalb gehört die Verhaltensmedizin zur Tiermedizin.

Wann ist verhaltensmedizinische Hilfe bei Tieren sinnvoll?

Nicht jedes anstrengende oder unerwünschte Verhalten ist automatisch krankhaft. Auch normales Verhalten kann im Alltag zu einem erheblichen Problem werden. Eine Verhaltensstörung beeinträchtigt dagegen häufig das Wohlbefinden des Tieres und kann sich durch unterschiedliche Symptome zeigen.

Eine tierärztliche Abklärung ist beispielsweise sinnvoll, wenn Ihr Tier:

  • starke Angst oder Phobien zeigt
  • aggressiv reagiert, schnappt oder beißt
  • nicht allein bleiben kann
  • sich wiederholt putzt, leckt, beißt oder bestimmte Bewegungen ausführt
  • plötzlich unsauber wird oder vermehrt markiert
  • dauerhaft unruhig oder stark erregt wirkt
  • sein Verhalten plötzlich deutlich verändert
  • trotz Training keine ausreichenden Fortschritte macht

Welche Methoden werden in der Verhaltensmedizin eingesetzt?

Die Behandlung besteht meist aus mehreren Bausteinen. Welche Maßnahmen geeignet sind, hängt von der Diagnose, dem Tier und seiner Lebenssituation ab. 

Gegenkonditionierung und Desensibilisierung

Bei der Gegenkonditionierung wird ein Reiz, der bisher negative Emotionen wie Angst, Anspannung oder Aggression ausgelöst hat, mit einer neuen positiven Emotion verknüpft. Die Reaktion des Nervensystems wird sozusagen umprogrammiert.

Bei der systematischen Desensibilisierung wird das Tier dagegen in kleinen, kontrollierten Schritten behutsam an einen belastenden Reiz herangeführt, ohne dass dabei negative Emotionen vorkommen. 

Gegenkonditionierung und Desensibilisierung können manchmal auch miteinander kombiniert werden. 

Habituation

Durch gezielte Gewöhnung kann die Reaktion auf wiederkehrende, ungefährliche Reize abnehmen.

Alternatives Verhalten

Das Tier kann ein Verhalten lernen, das in der jeweiligen Situation besser geeignet ist und das nicht mit dem unerwünschten Verhalten vereinbar ist. Ein Hund kann beispielsweise lernen, einen Ball zu tragen statt zu Bellen 

Management

Managementmaßnahmen helfen, belastende Situationen zunächst zu vermeiden, zu entschärfen oder sicherer zu gestalten. Dazu können Sichtschutz, Leinenmanagement, das Tragen eines Maulkorbs,  getrennte Futterplätze oder veränderte Ruhebereiche gehören.

Anpassung des Alltags

Auch Veränderungen im Tagesablauf oder Umgang mit dem Tier sowie eine Umgestaltung von Rückzugsmöglichkeiten  können Teil der Therapie sein.

Spieltherapie und Auslastung 

Oftmals kann geeignete Auslastung oder eine gezielte Spieltherapie die Verhaltenstherapie unterstützen. Sie muss immer genau auf dass jeweilige Tier, sein Problem und das Ziel abgestimmt sein.

Medikamentöse Unterstützung

Bei bestimmten Verhaltensstörungen können Medikamente sinnvoll oder notwendig sein. Psychopharmaka ersetzen die Verhaltenstherapie nicht. Sie können jedoch Angst, Anspannung oder Erregung reduzieren und dadurch neues Lernen erleichtern.

Die aufgeführten Möglichkeiten sind nur ein Teil der Maßnahmen, aus denen ein kompletter  Therapieplan besteht. Die Kombination verschiedener Maßnahmen ist inner ein wesentlicher Bestandteil der verhaltenstherapeutischen Behandlung.

Was unterscheidet Verhaltensmedizin vom Hundetraining?

Hundetraining vermittelt vor allem Verhalten für den Alltag, beispielsweise Rückruf, Leinenführigkeit oder das Warten auf einem Platz.

Tierärztliche Verhaltensmedizin geht darüber hinaus. Sie beurteilt, ob eine Verhaltensstörung oder ein medizinischer Einfluss vorliegt, erstellt einen Behandlungsplan und entscheidet, ob weitere Untersuchungen oder Medikamente notwendig sind.

Ein qualifizierter Hundetrainer kann die praktische Umsetzung einzelner Übungen unterstützen. Die verhaltensmedizinische Diagnostik und Behandlung bleiben jedoch tierärztliche Aufgaben. Beide Bereiche können sich sinnvoll ergänzen.

Wie geht es weiter?

Vor dem ersten Termin werte ich einen Fragebogen, vorhandene Befunde und bei Bedarf Videoaufnahmen aus. Anschließend besprechen wir die Ursachen des Verhaltens und die passenden Behandlungsschritte.

Weitere Informationen finden Sie unter Ablauf der Tierverhaltenstherapie.